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  • Anna Kant

Day #016


Neapel


Ich dachte, das wäre die Liebe,

Nun weiß ich: sie war es nicht!

Es war ein flüchtiges, zartes,

Feinduftiges Frühlingsgedicht.


Es war nach dem ewigen Sterben

Ein Fliederblühen im Mai,

Und war mit den ersten Rosen

Verträumt, vergangen, vorbei.


Und in Neapel am Strande,

Da macht' ich in Buchsbaum ein Grab,

Und warf mit Orangen und Veilchen

Mein Jugendlieben hinab.


Und meinte, daß sehr zu beklagen

Ich sei, und gebrochen das Herz,

Und nährte in Mondschein und Düften

Den ersten schmerzlosen Schmerz.


Nie hab' ich von Menschenmunde

Das Wort: Ich lieb' dich! gehört,

Ich wäre wie Wellen vorm Winde

Entflohen, gekränkt und empört.


Ich war nicht zum Lieben geboren,

Und liebte das Liebhaben doch, –

Im sonnigen Gold von Neapel

Da lächelt in Blumen es noch.


Carmen Sylva

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