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  • Anna Kant

Day #019




Fünfmalhunderttausend Teufel


Fünfmalhunderttausend Teufel

Kamen einstens in die Welt,

Aber ach! die armen Teufel

Hatten keinen Heller Geld.

Alle fingen an zu winseln,

Alle fingen an zu schrein.

Keiner von den armen Pinseln

Wußte weder aus noch ein.

Satanas, der alte Teufel,

Lachte sich fast lahm und krumm:

Gott im Himmel, diese Teufel

Sind doch wahrlich gar zu dumm.

Alle kratzen sich die Ohren,

Jeder ist ganz desperat!

Jemine! wir sind verloren,

Weiß denn niemand guten Rat?

Da sprach Pipifax, der Kleine:

Ihr seid dumm wie Bohnenstroh,

Ich allein, ja, ich alleine

Bin ein Teufel comme il faut!

Ihr habt Durst und nichts zu trinken.

Freilich ist das Teufelsqual

Seht ihr dort nicht Fenster blinken?

Dorten winkt uns der Pokal.

Seht, dort ist der Rathauskeller,

Dort quartieren wir uns ein;

Haben wir auch keinen Heller,

Hat der Wirt doch guten Wein

Sind die Türen auch verschlossen,

Wer von euch verzaget noch?

Wir marschieren unverdrossen

Alle durch das Schlüsselloch.

Hurra! schrieen alle Teufel

Und spazierten stracks hinein,

Leerten schnell zehntausend Flaschen

Von dem allerbesten Wein.

Sangen drauf im wilden Chore:

Nichts geht über Lieb' und Wein!

Und sie tranken con amore

In die späte Nacht hinein.

Als der Hahn fing an zu krähen,

Und die Flaschen alle leer,

Und die Teufel schon betrunken,

Da kam Satanas daher.

Sperrte in die leeren Flaschen

Die betrunknen Teufel ein

Und verpichte dann die Flaschen,

Zwängt' mit Draht die Pfropfen ein.

Fünfmalhundertttausend Teufel

Sind in Flaschen festgebannt,

Jede dieser Teufelsflaschen

Wird Champagnerwein genannt.

Wenn die Stöpsel munter knallen,

Öffnet sich der Freude Schoß,

Lieder ringsumher erschallen,

Ja, dann ist der Teufel los!


Eduard Maria Oettinger

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