Day #146


Närrisches Spiel in drei Küssen


Sie hatte kaum noch Wäsche an,

Und durch das Fenster warf ein Baum

Aus halber Höhe rosa Schaum

Und Duft herein. Der Mond begann.


Sie saß im Sessel wie der Mond so blank,

Verschämt die Arme auf der jungen Brust.

Die kleinen Füße wippten unbewußt

Den Takt der Lust, mein Herz schlug fieberkrank.


Ein blauer Schatten schoß vom Laubgewirr

Herunter, traf des Leibes Elfenbein

Und stand erschrocken irr

Wie ein Insekt auf spiegelweißem Stein.


Ich küsste meiner Dame heiß

Der feinen Knöchel Muskelspiel

Und war noch weit von meinem Ziel;

Sie lachte: "Du, um keinen Preis."


Die schmalen Fesseln zogen sich,

Husch, in den roten Plüsch zurück,

Ich fühlte ihre Fingerspitzen im Genick

Wie Nesselgift, Insektenstich.


Sie schloß die Augen schreckhaft zu

Beim nächsten Kusse auf das Knie,

Ihr schmales Schlangenzünglein schrie:

"Wagt sich dein Mund noch weiter, du,


Dann beiß ich dich!?" Mein Mund, im Zug

War schneller und entdeckte in dem Tal

Der Brüste das blutrote Muttermal

Und das war ihr zuletzt noch nicht genug.


Sie hatte nichts als nur die Haut noch an,

Und durch das Fenster warf ein Baum,

Als freue es auch ihn, aus rosa Schaum

Ein Seidenpfühl herein. Und Gott begann.


Arthur Rimbaud